
Die Zeit in Cochabamba ging zu Ende und wir machten und auf den Weg nach Potosí – die Stadt in der ich die nächsten 8 Monate verbringen und in einem Zentrum für Solarenergie (CESOL) mithelfen werde.
Die letzten Tage waren geprägt von
Abschied, einer langen Busreise und
dem Kennenlernen vieler neuer Menschen sowie Orten.
Ich war jetzt wirklich schon knappe 2 Monate in Cocha(bamba) und, obwohl es sich nicht so anfühlt als wäre so viel Zeit vergangen, ist im Rückblick echt viel passiert. Während ich mich erstmal an Bolivien gewöhnt und eingelebt habe, bin ich 4h pro Tag unter der Woche in die Sprachschule gegangen, hab Spanisch gelernt und mich um einiges verbessert, hab Zeit mit meinen Gastfamilie, den Sprachlehrer*innen und compañeros aus Österreich verbracht, bin viel T.RU.FI (Taxi con RUta FIja = Taxi mit fixer Rute) gefahren, hab dem Gym häufig Besuche abgestattet, Wochenends mehr von Bolivien erkundet, einen Salsa- und Bachata-Tanzkurs genommen und echt schon recht viel gelernt, meine vegetarische Ernährung etwas „erweitert“ um die typisch-bolivianischen Speisen (es gibt so gut wie keine vegetarische) zu kosten, bin natürlich auch ab und zu fortgegangen, hab „la Cancha“, der größte Markt Südamerikas erkundet und sehr genossen (es gibt echt alles und auf so geniale Art und Weise), war auf der deutsch-bolivianischen Hochzeit meiner Sprachlehrerin Melisa eingeladen, ab und zu (am besten Dienstags, weil da gab es 2 für 1) Eis bei Dumbo (= riesen Eisgeschäft) gegessen, ein paar Filme und „Schnulzen“ auf Spanisch gesehen sowie mit meiner familia gespielt, …
… und als wir dann unserem Reisetag dem 22.9 immer näher kamen, begann das Verabschieden.
Am letzten Wochenende luden wir recht spontan wieder all unsere „Familias de acojida“, Schüler*innen und Lehrer*innen zu unserem „Fiesta de despedida“ in die Sprachschule ein. Es gab leckere Tacos und noch andere Köstlichkeiten (alle auch vegetarisch), die die Familias mitgebracht haben. Natürlich durften die Ansprachen sowohl von Carmen und Jaquces als auch von jeder*m einzelnen von uns nicht fehlen. Wir wurden sehr herzlich verabschiedet und es wurde uns auch gesagt, dass wir jederzeit wieder willkommen sind und sie immer ein offenes Ohr für uns haben werden. Ich für meinen Teil, habe mich dann für die herzliche Aufnahme allerseits und die wichtige und gute Vorbereitung auf Potosí bedankt, nicht nur sprachtechnisch sondern auch bezüglich der Kultur und Einstellung der Menschen hier in Potosí. Danach wurde noch richtig viel getanzt, was wir dann in einem Club weiterführten ; )


Nach dem Fest verabschiedete ich mich auch von meinen weiteren cochabambinischen Bekanntschaften, wie Inge und meiner Tanzkursgruppe, die ich zwar leider noch nicht so lang kannte aber sehr offene und herzliche Menschen sind. Außerdem musste ich auch der Stadt „Auf WIEDER sehen“ sagn ; )



Am Mittwoch wurde es dann „ernst“, traurig und auch spannend zugleich. Nach der letzten Unterrichtseinheit – die mir nochmal den ultimativen Kick gegeben hat – gings ans Zusammenpacken und wir fuhren zum Busterminal, um uns dort einen Sitzplatz für die Nachtfahrt nach Potosí zu reservieren. Als alles fertig gepackt war, genoss ich noch die letzte Zeit mit meiner Familia. Wir quatschten, kochten Pizza für das Abschiedsessen, spielten nochmal Tischtennis und ich übergab mein Abschiedsgeschenk – einen sehr kunstvollen Serviettenständer (handgemacht von einer anderen sehr netten Gastmama). Wie’s natürlich sein muss, wurde zum Ende hin alles noch recht stressig. Ich hatte mich noch nicht von zwei meiner Sprachlehrer*innen verabschiedet, weshalb ich noch, kurz bevor ich das Taxi zum Terminal rufen musste, bei ihnen zu hause vorbei schaute… Als ich dann im Taxi saß – eh schon recht spät dran – fiel mir auf, dass ich noch den Haustürschlüssel in meiner Tasche hatte (kleiner FunFact am Rande: am Vormittag ist genau dasselbe dem Ehepaar passiert, das in der gleichen Familie wir ich wohnte, also hätt ich echt daran denken können…) Jedenfalls drehten wir nochmal um und – wisst ihr was – ich hab halt einfach auch ein wichtiges Tascherl vergessen… also es bestätigt sich mal wieder:
Alles kommt so wie es soll!
Und noch dazu waren wir mehr als rechtzeitig am Terminal. Alles gut gegangen, unsere übermäßig vieles Gepäck wurde im Bus verstaut und um 21Uhr gings für uns auf nach Potosí…
Chao Cocha!
2.500 m –>




Hola Potosí!
–> 4.000m
Unsere Fahrt durch die Nacht, in der wir um die 1.500 Höhenmeter zurücklegten, dauerte ca. 10h, womit wir um 7Uhr des nächsten Tages 23.9 in Potosí ankamen. Mit all unserem Gepäck, machten wir – wir sind momentan vier Personen, da Elias Freundin Aimée für ein Monat auf Besuch ist – uns auf die Suche nach einem Taxi, dass uns zu unserer Unterkunft brachte, von der wir im Vorhinein nichts wussten. Um so größere war die Freude als wir bei der Kirche San Sebastian und dem Projekt „Casa NAT’s“ (Haus für arbeitende Kinder und Jugendliche) ankamen und uns eine sehr nette Wohnung gezeigt und noch dazu gesagt wurde, dass wir hier bleiben können. huiuiiii : ) (so viel zur guten Kommunikation ; ))
Ziemlich bald darauf wurden wir auch schon von unserer „Chefin“ Margarita, eine sehr herzliche und fröhliche Frau, abgeholt, durch die Stadt geführt und bei all unseren Projekten vorgestellt. Begonnen haben wir bei PASOCAP, die Caritas Potosí, die aber unabhängig von der Caritas in Österreich ist und an sich unsere Arbeitgeber ist. Dort lernten wir neben Padre Marco, dem Kopf von PASOCAP, auch noch viele weitere Mitarbeiter*innen kennen. PASOCAP führt nämlich um die 11 Projekte, zu welchen auch die zwei zählen in denen wir arbeiten werden: Yachay Mosoj (Einrichtung für Kinder und Jugendliche der Bergbauarbeiter*innen) und in meinem Fall CESOL (Complejo de Energía solar = Zentrum für Solarenergie)
Diese beiden Projekte besuchten wir dann im Anschluss. In CESOL lernte ich meine künftige Arbeitskollegin Ángela kennen und in Yachay Mosoj aßen wir mit vielen Kindern und Margarita zu Mittag. – es war sogar vegetarisch ; )
Da am darauffolgenden Tag – dem 24.9 (Weltweiter Klimastreik ; ) – ein großes Event von ganz PASOCAP stattfand – eine Art Infomesse zum Thema Umwelt und Klimafreundlichkeit (ich denk das ist kein Zufall) – , hatten alle noch viel zu tun und wir versuchten unserer Bestes um direkt ein bisschen mitzuhelfen.
Da ich aber nicht wirklich viel im Bus schlafen konnte, war ich recht fertig und wir machten uns wieder auf den Rückweg in unser neues Heim.
Unsere Wohnung liegt in einem Innenhof gemeinsam mit dem „Casa NAT’s“ und besteht aus einer großen Küche (natürlich Herd mit Gas – ist hier am billigsten), Ess-/Wohnzimmer, Bad mit warm Wasser : ) und zwei Zimmer zu je zwei Betten, wobei eines davon ein Durchgangszimmer ist. Das wird vermutlich für die nächste Zeit unsere Dreier-WG – Jonas, Elias und ich. Mal sehen wir wir miteinander auskommen ; ) Bis jetzt hat es recht gut funktioniert.


Nun sind wir fast eine Woche hier und haben schon einiges von Potosí entdecken können.
Die erste große Aufgabe die wir hier haben ist uns unser Visum zu „verdienen“. Verdienen weil es wirklich viel Papierkram und Herumgedangel in der Stadt von einer Behörde zur nächsten ist… aber wir haben schon recht viel erledigen können, jetzt fehlen noch die letzten Schritte. Drückt uns die Daumen, dass nicht nochmal Hürden auftauchen; )
Außerdem haben wir am Wochenende schon einen Ausflug in eine Art Schwimmbad mit warmen Quellen gemacht und ein bisschen das Nachtleben Potosí erkundet.
Noch dazu haben wir es auch sehr genossen uns am mercado (diese Art von Markt gibt es einfach nicht in Österreich. Hier ist alles viel persönlicher und meistens verhandelbar) mit Lebensmittel und ein paar Haushaltsgegenständen einzudecken sowie uns dann leckere vegetarische Gerichte zu kochen.
Eigentlich sind wir ja hier um die Projekte zu unterstützen, aber wegen dem Visaantrag sind wir noch nicht so viel dazu gekommen. Jedenfalls bestehen die Aufgabenbereiche von CESOL, das Projekt in dem ich für die nächsten 8 Monate gemeinsam mit Jonas arbeiten werde, momentan aus Workshops zum Thema Solarenergie, der Verbreitung, dem Verkauf sowie der Installation von Solarpanelen/-systeme in der Stadt sowie am Land und dem Trocknen von Früchten mit Sonnenenergie. Bis jetzt konnten wir bei unserem Infostand am Eventtag, beim Aufbau einer weitere größere Trocknungsanlage und bei Allem rund um die Trocknung der Früchte mithelfen. In der nächsten Zeit werden wir vermutlich das System der Früchtetrocknung etwas optimieren, mit Esaul, dem technischen Leiter von CESOL und somit zweiter Arbeitskollege, mit auf Land zu den Kommunen fahren und auch Informationen bzw. Workshops zur Thematik erstellen. Ich bin schon sehr gespannt, was auf mich zu kommt und wie ich mich gut einbringen kann… : )


Im Großen und Ganzen bin ich sehr gut hier in Potosí angekommen, wurde herzlichst und mit großer Hilfsbereitschaft aufgenommen. Ich fühle mich sehr wohl hier. Potosí ist echt schön mit all den Kirchen und Plätzen, hat einen netten Flair und ist angenehm klein, so dass fast alles zu Fuß erreicht werden kann. Der einzige Hacken dabei ist, dass es in eine Richtung immer bergauf geht und das ist auf einer Seehöhe von 4.000 m fürs Erste noch eine Challenge. Aber nach der ersten Wochen hier und auch vor allem nach der Akklamation in Cocha geht das schon recht gut.
Also, der neue Abschnitt kann beginnen. Ich hab richtig Motivation und denke auch, dass Einiges umsetzbar ist.
Vamos a ver…
mal sehen was kommt…
Alles Liebe ihr wunderbaren Menschen
Eure Clara
PS: Es ist voll schade, dass ich leider an keinem weltweiten Klimastreik aktiv und direkt dabei sein konnte. Aber um so mehr bin ich meinen lieben Fridays dankbar, dass ich als Teddy for Future überall einen Platz hatte. Das war ein schönen Gefühl, dass das kleine Heimwehmonster in die Schlucht schlagen konnte. DANKE!

PPS: Eigentlich hätt ich noch gern ein bisschen mehr von meinen Wochenendauflügen von Cocha aus erzählt, aber ich bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen. Vielleicht folgen die Beiträge noch mit Verspätung. Wenn nicht gibt es immer ein paar Bilder unter der Kategorie Fotos...











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