September 2021 – Juni 2022 in „Villa Imperial Potosí“

Fast neun Monate in meinem – ich würde es jetzt schon so nennen – zweitem Zuhause hier in Potosí eine tolle Zeit verbracht. Natürlich mit Ups und Downs aber bereichert mit vielen wunderbaren Erinnerungen, neuen Freunden und Bekanntschaften, meinen ersten Tattoos, recht gutem Spanisch und neuen Tanzskills geht’s jetzt auf ins nächste große Abenteuer.

Von Mitte September bis jetzt Mitte Juni lebte ich gemeinsam mit Jonas – wohl eher Stub/Stubi genannt – und Eli-as in einem super zentralen Appartement hinter dem Projekt Casa NATs (=Haus für arbeitende Kinder und Jugendliche). Das war echt super fein. Ich hatte nachdem ich das mit den Jungs abklären konnte mein eigenes Zimmer worunter Eli etwas litt, den sie bekamen das Durchgangszimmer ab. : / Doch bis zum Ende hin weckte ich ihn nicht mehr bei jedem Durchgehen auf ; ) Sorry nochmal dafür und Danke fürs Zimmer Mädels!!

Wir hatten auch ein schön großes Wohn-/Esszimmer – das mit der Zeit zu Stubs Zimmer wurde – und eine Küche mit Gasherd und Spüle in echt super Zustand. Anfangs wurde noch häufiger gekocht, bis Neujahr nahm es ab aber mit dem Neujahrsvorsatz ; ) wieder zu. Gegen Ende meines Einsatzes hatten wir echt nicht mehr viel zum Kochen im Haus und es war so verlockend einfach zum nächsten „Almuerzo“ (=Mittagessen) zu gehen und für 20-30bs (=2.50 – 4Euro) ein volles aber auch echt nahrhaftes Mittagessen zu bekommen – ich war ja keine Vegetarierin mehr (sonst wär das nicht so einfach gegangen ; ) ). Wenn was am ehesten bei uns zu finden war, war das Brot, Käse, Eier, Joghurt und Müsli. Meistens aber auch nicht alles gleichzeitig ; ) Und ab und zu konnten wir auch die Abwasch nicht mehr wirklich nutzen – ups…
Unsere Arbeit bei CESOL war sehr flexibel – um es positiv auszudrücken ; ). Es gab Tage, an denen wir mal bis 10/11Uhr schliefen, zum Frühstück Mittagessen gingen und am Nachmittag warteten, dass uns Esaul Bescheid gibt ob es Arbeit gibt oder nicht ; ) Aber an anderen Tagen waren wir dafür von früh bis später unterwegs. Am Land (viel im Auto) oder in der zweiten Hälfte auch bis in die Abendstunden am „Cerro Rico“ unsere Guardas mit deren Solarlampen besuchen, um zu sehen dass es eh keine Unklarheiten gibt. Außerdem haben wir immer mal wieder Äpfel getrocknet. Da waren wir zu dritt schon ein super eingespieltes Team – da schafften es die große Secadora mehr oder weniger innerhalb von 1 1/2h zu füllen. Oft bei Tecno/Psytrans- /oder was auch immer – Sounds…. Stub war DJ aber es machte meistens Motivation ; ) Generell hatten wir echt viel Spaß muss ich sagen ; )
Nach Neujahr und einem kleinen Down meinerseits, da irgendwie nichts außer Früchteproduktion funktionierte, gab es einen neuen Schwung in CESOL. Wir starteten das Projekt am Cerro und ich bereitete auch eine Workshop zum Thema „Plastik und sein Recycling“ mit Unterstützung von meinem Sponsor Hans Roth von Saubermacher vor. Diesen durfte ich dann auch vor fast 100 Kinder und Jugendlicher der Schule in „Chaqui Banos“ vortragen.
Außerdem haben wir auch noch einen Prototypen einer kleinen Secadora gebaut und der erste Versuch hat super funktioniert!



Abseits der Arbeit: Bolivianer*innen trinken sehr gerne und das bei fast jeder Möglichkeit – wenn möglich sogar bis zu drei Tage durch – man steht auf und das Frühstück ist das nächste Bier aber da bleibst nicht nur bei einem ; )… also war ich auch sehr oft involviert. Bin viel fortgegangen, auf Fiestas eingeladen worden und wir haben auch einige „Afters“ bei uns zuhause („Pssst neben der Kirche ; )“) geschmissen. Um so besser ab und zu auch unter der Woche ausschlafen zu können.
Zur Musik in den wenigen Discos Potosís: sie ist sehr repetitiv: CUMBIA (tsch t t tsch t t tsch), REGGEATON (dum ba dum ba), CUMBIA, REGGEATON und für den krönenden Abschluss NATIONALES (ayyyy – yo soy de Potosí ; )), … aber hat auch was. Hier findet ihr eine kleine Playlist auf Spotify zu einigen typischen Themen. – erstellt von mir und ich glaub es fehlen noch ein paar Klassiker…




Beim Tanzen sind Bolivianierinnen echte Spitzenkandidaten vor allem im Vergleich zu uns recht „steifen“ Österreicherinnen ; ) Sie haben so viele traditionelle spezielle Tänze – wie zum Beispiel „Caporales, Negritos, Tinkuy, …“ (alles Paartänze) – und fast alle können sie oder zumindest einen davon tanzen. Das hat mich super beeindruckt und auch mir wieder die große Freude die ich am Tanzen habe zurück gebracht. Deshalb hab ich mich dann auch bei einer Tanzschule zwar für Reggeaton – viel Bootyshake ; ) – eingeschrieben aber war eine super Zeit eine neue Art von Tanz (kenen-) zu lernen. Außerdem waren die Leute einfach super lieb und wir haben echt coole Videos gemacht : ) Die findet ihr vor allem auf Facebook und TikTok ; )
Weitere liebe Menschen lernte ich auch bei „(klima-)aktivistischen“ Aktionen und in den damit zusammenhängenden Bewegungen kennen. Da war ich bei der Plataforma Potsoina medioambiental“ sowie dem „Red juvenil por el desarollo“ mit aktiv. War beim Malen von Wandbildern und Bannern dabei. Halft ein Projekt zum Papier selbst machen auszuarbeiten und am Anfang auch beim Umsetzen. Die Bewegungen hier haben noch ganz einen anderen Zugang zur Notwendigkeit des Wandels und gehen es deshalb auch nochmal ganz anders an. Aber auch spannend für mich das mit zu erleben und mich einzubringen. Zum letzten weltweiten Klimastreik bin ich dann auch extra nach La Paz – aber er fand eine Woche nach dem eigentlichen Termin statt – ich sag nur „Hora Boliviana in a Nutshell“ = Perfektes Beispiel für die typisch bolivianische Verspätung ; ).





Außerdem sind noch ein paar „Dummheiten“ passiert… aber immer mit super viel Spaß
<– Wasserschlacht zum Carneval
Hab mir selbst ein Tattoo gestochen –>
<– Auf den Berg KariKari gehen nach einer Woche Beintrainig beim Tanzen – haha

Um mich von Bolivien auch mit ungeplanter Verspätung ; ) zu verabschieden möchte ich noch ein paar TYPISCH BOLIVIEN sammeln:

Die SALTEÑA:
Das ist ein Gepäck mit recht süßem Teig flüssig gefüllt mit einer Soße aus Fleisch, Kartoffel, Chili (Meist aber nicht so scharf), bisschen Gemüse und wenn fancy auch mit Ei oder Oliven.
In Potosí gab es ganz besondere nämlich die „Hornitos“ – eher von der kleinen Sorte aber mit einer Art Pizzateig und auch im Holzofen gebacken. Einfach „ricissimo“ (=köstlich)

MOCOCHINCHI:
Das typische Getränk aus getrockneten Pfirsichen. Diese werden meistens zur Hälfte in Spiralform geschält und traditionell auf den Hausdächern getrocknet. So werden die Pfirsiche, die es rund um Februar/März zu Massen gibt haltbar gemacht und später einfach wieder mit Wasser und Zucker aufgekocht zum „Refresco Mocochinchi“. Ich persönlich bin nicht so der Fan davon aber es kann schon was ; ) ein paar Mal haben wir auch mit der Secadora diese Pfirsiche getrocknet.

Rund ums ESSEN:
Bolivianer*innen essen sehr gerne und vor allem Fleisch. Dazu gibt es fast immer Reis und wenigstens eine gekochte Kartoffel darf nicht fehlen ; )Doch was mir auch sehr aufgefallen ist, dass sie mit Ruhe und sehr langsam essen. Bei jedem bolivianische Essen darf auch das „picante“ (=scharfe) meist in Form von „Llajua“ (Soße aus Locoto (=scharfer Paprika), Tomate und Kräuten) nicht fehlen. Ich hab es bis zum Ende nicht geschafft eine bolivianische Menge davon zu essen – das ist nämlich echt viel: )
Typisches Essen: CHARQUE, PIQUE MACHO, CHICHARON, PICANTE DE TODO TIPO, SOPA DE MANÍ, API, BUÑUELOS,… und noch vieles mehr.
HORA BOLIVIANA:
Wie oben schon mal angeschnitten, sind die Bolivianer*innen wirklich nicht die pünktlichsten. Eine Stunde Verspätung wird eigentlich immer eingerechnet, wenn nicht sogar mehr. Gegen Ende hin waren es dann nicht nur mehr wir die immer warteten sondern es wurde auch auf uns gewartet. Doch so „einfach“ wollte es auch nicht bei mir rein – oft genug bin ich noch in die „Falle“ getappt. In der Kälte nicht sehr erfreulich ; )
MENTALITÄT der Bolivianier*innen: (natürlich trifft das nicht auf alle zu aber schon auf viele ; ) )
Nicht bis übermorgen denken. Bis zur letzten Möglichkeit abwarten. Das Haus muss nicht unbedingt schön aussehen. Ich lass den Müll einfach mal für Ewigkeiten im Innenhof liegen. Wenn ich unterwegs bin schmeiß ich das Sackerl (ja es gibt fast alles in Sackerln zu trinken) einfach mal in die nächste Ecke oder aus dem Fenster. Wenn wir gemeinsam auf ein Fest kommen, bleibe wir zusammen und gehen auch wieder gemeinsam. (relativ anstrengend, wenn du früher gehen willst) Mega herzlich und willkommen heißend. Machen die Kälte Potosís durch ihre menschliche Wärme wett.

Unvollständige HÄUSER:
Wenn du in Bolivien unterwegs bist und nicht grade im Zentrum von Städten, wirst du so gut wie kein ganz fertig gebautes Haus finden. Ganz viel Ziegel Fassaden, nur die Seite zur Straße ist schön verputzt. Das liegt dran – haben wir gelernt – dass man für ein nicht ganz fertiges Haus viel weniger Steuern zahlt.

TRANSPORT:
Fast von jeder „HauptStadt“ zur nächteen gibt es wenn nötig Nachtbusse. Die Distanzen in Vergleich zu Österreich sind enorm aber total unkompliziert um sie zurück zu legen. Einfach mal eine Nacht im Bus und du wachst nach 8-12h am andren Ende des Landes auf. Zurück in Österreich werde ich sagen . „ach nach Vorarlberg – ein Katzensprung ; )“
STREET ART:
In jeder Stadt an richtig unerwarteten Orten, fand ich die schönsten Wandgemälden und andere Kunst. Echt super schön, so kreativ und meistens mit wichtiger Nachricht. Seht selbst:








Das war jetzt mein kleines Update zum Verlassen und Abschließen mit Potosí und Bolivien… viel von dem Jahr das ich hier verbracht habe, findet ihr auch in den vorherigen Posts. ; )
Zur Verabschiedung haben sich die Leute hier echt super Mühe gegeben. Im Café hab ich den besonderen Coctail „Sucumbe“ serviert bekommen und Paz hat mir die Karten gelesen- huiui ; ) Esaul hat mich extra dazu verdonnert eine Nacht länger in Potosí zu bleiben, damit wir noch ein nettes Abendessen gemeinsam verbringen konnten. Und mit Marleny hatte ich viele lustige, lange und flüssige Nächte obwohl ich eigentlich halb krank war… aber ein guter Abschied ist wichtig! Vor allem wenn ich nicht weiß wann und wo wir uns wieder sehen werden.



Jetzt wird es aber spannend Bolivien für ein gewisse Zeit hinter mir zu lassen. Ich bin überfüllt mit Eindrücken und bin mir sicher das ich irgendwann wieder zurück kommen werde, um alle wieder zu besuchen und um zu sehen was aus meinem zweiten Zuhause geworden ist. Außerdem hoffe ich auch, dass es ein paar Leute, wie Esaul und Marleny, von hier schaffen uns in Österreich zu besuchen und wir ihnen so viel wie möglich, was wir auch immer erzählt haben, zeigen können. Das wäre super schön!!

Aber jetzt sitze ich gerade in Tarija – super nette leichte Stadt – und mach mich bereit für den Grenzübergang nach Argentinien um mich dann dort bei den Wasserfällen von Iguazú mit meiner Freundin Sarah , die ich aus der Schule kenne, zu treffen. WOW. Let’s start the neue Abenteuer!!


Ich halt auch so gut es geht am Laufenden!
Genießt den Sommer in/und Österreich – die beiden werden von mir hier nämlich etwas vermisst…
Bis bald – Alles Liebe – feste Umarmung
Clara

Ps: Vielen lieben Dank an Timothy! Er hat mir nämlich seinen tollen Rucksack für die Reise geliehen : ) Es passt alles super rein ; )!!
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