
Kurzer Besuch bei meinen Lieben im grauen traurigen Ambiente des Cerro „Rico“

Zurückkommen zu meinem zweiten herzlichen Zuhause aber ich hab mir die Seele verletzt.
September 2021 – Juni 2022 in „Villa Imperial Potosí“

Fast neun Monate in meinem – ich würde es jetzt schon so nennen – zweitem Zuhause hier in Potosí eine tolle Zeit verbracht. Natürlich mit Ups und Downs aber bereichert mit vielen wunderbaren Erinnerungen, neuen Freunden und Bekanntschaften, meinen ersten Tattoos, recht gutem Spanisch und neuen Tanzskills geht’s jetzt auf ins nächste große Abenteuer.

Von Mitte September bis jetzt Mitte Juni lebte ich gemeinsam mit Jonas – wohl eher Stub/Stubi genannt – und Eli-as in einem super zentralen Appartement hinter dem Projekt Casa NATs (=Haus für arbeitende Kinder und Jugendliche). Das war echt super fein. Ich hatte nachdem ich das mit den Jungs abklären konnte mein eigenes Zimmer worunter Eli etwas litt, den sie bekamen das Durchgangszimmer ab. : / Doch bis zum Ende hin weckte ich ihn nicht mehr bei jedem Durchgehen auf ; ) Sorry nochmal dafür und Danke fürs Zimmer Mädels!!

Wir hatten auch ein schön großes Wohn-/Esszimmer – das mit der Zeit zu Stubs Zimmer wurde – und eine Küche mit Gasherd und Spüle in echt super Zustand. Anfangs wurde noch häufiger gekocht, bis Neujahr nahm es ab aber mit dem Neujahrsvorsatz ; ) wieder zu. Gegen Ende meines Einsatzes hatten wir echt nicht mehr viel zum Kochen im Haus und es war so verlockend einfach zum nächsten „Almuerzo“ (=Mittagessen) zu gehen und für 20-30bs (=2.50 – 4Euro) ein volles aber auch echt nahrhaftes Mittagessen zu bekommen – ich war ja keine Vegetarierin mehr (sonst wär das nicht so einfach gegangen ; ) ). Wenn was am ehesten bei uns zu finden war, war das Brot, Käse, Eier, Joghurt und Müsli. Meistens aber auch nicht alles gleichzeitig ; ) Und ab und zu konnten wir auch die Abwasch nicht mehr wirklich nutzen – ups…
Unsere Arbeit bei CESOL war sehr flexibel – um es positiv auszudrücken ; ). Es gab Tage, an denen wir mal bis 10/11Uhr schliefen, zum Frühstück Mittagessen gingen und am Nachmittag warteten, dass uns Esaul Bescheid gibt ob es Arbeit gibt oder nicht ; ) Aber an anderen Tagen waren wir dafür von früh bis später unterwegs. Am Land (viel im Auto) oder in der zweiten Hälfte auch bis in die Abendstunden am „Cerro Rico“ unsere Guardas mit deren Solarlampen besuchen, um zu sehen dass es eh keine Unklarheiten gibt. Außerdem haben wir immer mal wieder Äpfel getrocknet. Da waren wir zu dritt schon ein super eingespieltes Team – da schafften es die große Secadora mehr oder weniger innerhalb von 1 1/2h zu füllen. Oft bei Tecno/Psytrans- /oder was auch immer – Sounds…. Stub war DJ aber es machte meistens Motivation ; ) Generell hatten wir echt viel Spaß muss ich sagen ; )
Nach Neujahr und einem kleinen Down meinerseits, da irgendwie nichts außer Früchteproduktion funktionierte, gab es einen neuen Schwung in CESOL. Wir starteten das Projekt am Cerro und ich bereitete auch eine Workshop zum Thema „Plastik und sein Recycling“ mit Unterstützung von meinem Sponsor Hans Roth von Saubermacher vor. Diesen durfte ich dann auch vor fast 100 Kinder und Jugendlicher der Schule in „Chaqui Banos“ vortragen.
Außerdem haben wir auch noch einen Prototypen einer kleinen Secadora gebaut und der erste Versuch hat super funktioniert!



Abseits der Arbeit: Bolivianer*innen trinken sehr gerne und das bei fast jeder Möglichkeit – wenn möglich sogar bis zu drei Tage durch – man steht auf und das Frühstück ist das nächste Bier aber da bleibst nicht nur bei einem ; )… also war ich auch sehr oft involviert. Bin viel fortgegangen, auf Fiestas eingeladen worden und wir haben auch einige „Afters“ bei uns zuhause („Pssst neben der Kirche ; )“) geschmissen. Um so besser ab und zu auch unter der Woche ausschlafen zu können.
Zur Musik in den wenigen Discos Potosís: sie ist sehr repetitiv: CUMBIA (tsch t t tsch t t tsch), REGGEATON (dum ba dum ba), CUMBIA, REGGEATON und für den krönenden Abschluss NATIONALES (ayyyy – yo soy de Potosí ; )), … aber hat auch was. Hier findet ihr eine kleine Playlist auf Spotify zu einigen typischen Themen. – erstellt von mir und ich glaub es fehlen noch ein paar Klassiker…




Beim Tanzen sind Bolivianierinnen echte Spitzenkandidaten vor allem im Vergleich zu uns recht „steifen“ Österreicherinnen ; ) Sie haben so viele traditionelle spezielle Tänze – wie zum Beispiel „Caporales, Negritos, Tinkuy, …“ (alles Paartänze) – und fast alle können sie oder zumindest einen davon tanzen. Das hat mich super beeindruckt und auch mir wieder die große Freude die ich am Tanzen habe zurück gebracht. Deshalb hab ich mich dann auch bei einer Tanzschule zwar für Reggeaton – viel Bootyshake ; ) – eingeschrieben aber war eine super Zeit eine neue Art von Tanz (kenen-) zu lernen. Außerdem waren die Leute einfach super lieb und wir haben echt coole Videos gemacht : ) Die findet ihr vor allem auf Facebook und TikTok ; )
Weitere liebe Menschen lernte ich auch bei „(klima-)aktivistischen“ Aktionen und in den damit zusammenhängenden Bewegungen kennen. Da war ich bei der Plataforma Potsoina medioambiental“ sowie dem „Red juvenil por el desarollo“ mit aktiv. War beim Malen von Wandbildern und Bannern dabei. Halft ein Projekt zum Papier selbst machen auszuarbeiten und am Anfang auch beim Umsetzen. Die Bewegungen hier haben noch ganz einen anderen Zugang zur Notwendigkeit des Wandels und gehen es deshalb auch nochmal ganz anders an. Aber auch spannend für mich das mit zu erleben und mich einzubringen. Zum letzten weltweiten Klimastreik bin ich dann auch extra nach La Paz – aber er fand eine Woche nach dem eigentlichen Termin statt – ich sag nur „Hora Boliviana in a Nutshell“ = Perfektes Beispiel für die typisch bolivianische Verspätung ; ).





Außerdem sind noch ein paar „Dummheiten“ passiert… aber immer mit super viel Spaß
<– Wasserschlacht zum Carneval
Hab mir selbst ein Tattoo gestochen –>
<– Auf den Berg KariKari gehen nach einer Woche Beintrainig beim Tanzen – haha

Um mich von Bolivien auch mit ungeplanter Verspätung ; ) zu verabschieden möchte ich noch ein paar TYPISCH BOLIVIEN sammeln:

Die SALTEÑA:
Das ist ein Gepäck mit recht süßem Teig flüssig gefüllt mit einer Soße aus Fleisch, Kartoffel, Chili (Meist aber nicht so scharf), bisschen Gemüse und wenn fancy auch mit Ei oder Oliven.
In Potosí gab es ganz besondere nämlich die „Hornitos“ – eher von der kleinen Sorte aber mit einer Art Pizzateig und auch im Holzofen gebacken. Einfach „ricissimo“ (=köstlich)

MOCOCHINCHI:
Das typische Getränk aus getrockneten Pfirsichen. Diese werden meistens zur Hälfte in Spiralform geschält und traditionell auf den Hausdächern getrocknet. So werden die Pfirsiche, die es rund um Februar/März zu Massen gibt haltbar gemacht und später einfach wieder mit Wasser und Zucker aufgekocht zum „Refresco Mocochinchi“. Ich persönlich bin nicht so der Fan davon aber es kann schon was ; ) ein paar Mal haben wir auch mit der Secadora diese Pfirsiche getrocknet.

Rund ums ESSEN:
Bolivianer*innen essen sehr gerne und vor allem Fleisch. Dazu gibt es fast immer Reis und wenigstens eine gekochte Kartoffel darf nicht fehlen ; )Doch was mir auch sehr aufgefallen ist, dass sie mit Ruhe und sehr langsam essen. Bei jedem bolivianische Essen darf auch das „picante“ (=scharfe) meist in Form von „Llajua“ (Soße aus Locoto (=scharfer Paprika), Tomate und Kräuten) nicht fehlen. Ich hab es bis zum Ende nicht geschafft eine bolivianische Menge davon zu essen – das ist nämlich echt viel: )
Typisches Essen: CHARQUE, PIQUE MACHO, CHICHARON, PICANTE DE TODO TIPO, SOPA DE MANÍ, API, BUÑUELOS,… und noch vieles mehr.
HORA BOLIVIANA:
Wie oben schon mal angeschnitten, sind die Bolivianer*innen wirklich nicht die pünktlichsten. Eine Stunde Verspätung wird eigentlich immer eingerechnet, wenn nicht sogar mehr. Gegen Ende hin waren es dann nicht nur mehr wir die immer warteten sondern es wurde auch auf uns gewartet. Doch so „einfach“ wollte es auch nicht bei mir rein – oft genug bin ich noch in die „Falle“ getappt. In der Kälte nicht sehr erfreulich ; )
MENTALITÄT der Bolivianier*innen: (natürlich trifft das nicht auf alle zu aber schon auf viele ; ) )
Nicht bis übermorgen denken. Bis zur letzten Möglichkeit abwarten. Das Haus muss nicht unbedingt schön aussehen. Ich lass den Müll einfach mal für Ewigkeiten im Innenhof liegen. Wenn ich unterwegs bin schmeiß ich das Sackerl (ja es gibt fast alles in Sackerln zu trinken) einfach mal in die nächste Ecke oder aus dem Fenster. Wenn wir gemeinsam auf ein Fest kommen, bleibe wir zusammen und gehen auch wieder gemeinsam. (relativ anstrengend, wenn du früher gehen willst) Mega herzlich und willkommen heißend. Machen die Kälte Potosís durch ihre menschliche Wärme wett.

Unvollständige HÄUSER:
Wenn du in Bolivien unterwegs bist und nicht grade im Zentrum von Städten, wirst du so gut wie kein ganz fertig gebautes Haus finden. Ganz viel Ziegel Fassaden, nur die Seite zur Straße ist schön verputzt. Das liegt dran – haben wir gelernt – dass man für ein nicht ganz fertiges Haus viel weniger Steuern zahlt.

TRANSPORT:
Fast von jeder „HauptStadt“ zur nächteen gibt es wenn nötig Nachtbusse. Die Distanzen in Vergleich zu Österreich sind enorm aber total unkompliziert um sie zurück zu legen. Einfach mal eine Nacht im Bus und du wachst nach 8-12h am andren Ende des Landes auf. Zurück in Österreich werde ich sagen . „ach nach Vorarlberg – ein Katzensprung ; )“
STREET ART:
In jeder Stadt an richtig unerwarteten Orten, fand ich die schönsten Wandgemälden und andere Kunst. Echt super schön, so kreativ und meistens mit wichtiger Nachricht. Seht selbst:








Das war jetzt mein kleines Update zum Verlassen und Abschließen mit Potosí und Bolivien… viel von dem Jahr das ich hier verbracht habe, findet ihr auch in den vorherigen Posts. ; )
Zur Verabschiedung haben sich die Leute hier echt super Mühe gegeben. Im Café hab ich den besonderen Coctail „Sucumbe“ serviert bekommen und Paz hat mir die Karten gelesen- huiui ; ) Esaul hat mich extra dazu verdonnert eine Nacht länger in Potosí zu bleiben, damit wir noch ein nettes Abendessen gemeinsam verbringen konnten. Und mit Marleny hatte ich viele lustige, lange und flüssige Nächte obwohl ich eigentlich halb krank war… aber ein guter Abschied ist wichtig! Vor allem wenn ich nicht weiß wann und wo wir uns wieder sehen werden.



Jetzt wird es aber spannend Bolivien für ein gewisse Zeit hinter mir zu lassen. Ich bin überfüllt mit Eindrücken und bin mir sicher das ich irgendwann wieder zurück kommen werde, um alle wieder zu besuchen und um zu sehen was aus meinem zweiten Zuhause geworden ist. Außerdem hoffe ich auch, dass es ein paar Leute, wie Esaul und Marleny, von hier schaffen uns in Österreich zu besuchen und wir ihnen so viel wie möglich, was wir auch immer erzählt haben, zeigen können. Das wäre super schön!!

Aber jetzt sitze ich gerade in Tarija – super nette leichte Stadt – und mach mich bereit für den Grenzübergang nach Argentinien um mich dann dort bei den Wasserfällen von Iguazú mit meiner Freundin Sarah , die ich aus der Schule kenne, zu treffen. WOW. Let’s start the neue Abenteuer!!


Ich halt auch so gut es geht am Laufenden!
Genießt den Sommer in/und Österreich – die beiden werden von mir hier nämlich etwas vermisst…
Bis bald – Alles Liebe – feste Umarmung
Clara

Ps: Vielen lieben Dank an Timothy! Er hat mir nämlich seinen tollen Rucksack für die Reise geliehen : ) Es passt alles super rein ; )!!

Weihnachten und Neujahr im Sommer – spannende Erfahrung. Dezember der Beginn der Regenzeit, wenig Arbeit dafür viele kleine Reisen. Ein Update der letzten Monate in 2021…
Noch im November haben wir Sucre – die offizielle Hauptstadt Boliviens – erkundet. Sucre ist ungefähr 3h von Potosí entfernt – also recht schnell erreichbar. Die Stadt liegt schon ziemlich tiefer als Potosí weshalb das Klima angenehm mild ist und auch die Vegetation viel grüner. Typisch für Sucre sind auch die vielen weißen Gebäude, die sehr schön mit dem Grün der Pflanzen und dem Rot der Dächer harmonieren…
Nach einem Stadtspaziergang haben wir zwei spannende Museen besucht und am nächsten Tag waren wir auch noch in einem netten Dorf in der Nähe.






Wieder zurück zuhause in Potosí konnten wir nach fast 2 Monaten endlich unsere „Cédula de Identidad de extranjero“ ( = Personalausweis für Ausländer*innen) abholen. Nun waren wir offiziell legale Ausländer*innen… das musste natürlich gefeiert werden : )

Im November durften wir dann auch manchmal unseren Kollegen Esaul auf Land zu Workshops mit den Solarprodukten begleiten… aber leider nur vereinzelt. War aber trotzdem eine gute Erfahrung…

Dann begann der Dezember – Advent:
Der Hauptplatz und ein paar zentrale Straßen wurden voll mit Weihnachtslichtern geschmückt und Abends konnten immer viele Leute am für Autos gesperrten Plaza (=Platz) gefunden werden.
Außerdem hatte ich auch einen super schönen Adventskalender aus der Ferne : Jeden Tag 24x ein Video von meinen Eltern, in dem sie mir unterschiedliche Geschichten von mir und uns erzählten – ein riesen Danke dafür – waren echt schöne Erinnerungen!
Mit Adventbeginn begann hier auch der viele Regen…
Regenzeit eben…
Das heißt für Potosí relativ viel und Dauerregen… daraus folgte, dass wir unsere Früchte nicht mehr mit Solarenergie trocknen konnten und Dezember ist auch die Zeit der Abschlussberichte, die von unseren Kolleg*innen geschrieben wurden… demnach gab es nicht mehr viel Arbeit für uns Voluntarios… Also hielt uns nicht mehr viel in Potosí nachdem wir noch einen „Großauftrag“ Trockenfrüchte erledigt hatten, und wir beschlossen zu reisen…



Doch zunächst hatten wir noch die Ehre, bei der Hochzeit unseres Arbeitskollegen Esaul eingeladen zu sein und einen netten Tag und Abend in elegantem Outfit (die Jungs haben sich ihre Anzüge sogar schneidern lassen) zu verbringen.
Am zweite Dezemberwochenende ging es dann wiedermal nach Cochabamba, wo wir unsere Gastfamilien und auch Sprachlehrer*innen besuchten und außerdem den Geburtstag von Daniel (Sprachlehrer) mitfeierten – der Hauptgrund unserer Reise…




Das Wochenende darauf war Santa Cruz wieder an der Reihe. Von Potosí sind das 16h mit dem Bus – aber über Nacht, dann geht’s…
Eigentlich wollten wir auf ein cooles Goa/Electro-Festival gehen, aber leider wurde das wegen Corona – die Fälle stiegen/und steigen momentan wieder recht stark – abgesagt… also genossen wir einfach die vielen Second Hand Geschäfte, die lauen Nächte sowie Abende auf der Dachterrasse und die genialste Pizza – gleich zweimal. Außerdem haben wir auch noch einen ElectroClub mit recht guter Musik gefunden : ) – ich muss dazu sagen eine Elektro-Szene gibt es in Potosí so gut wie garnicht… deshalb Santa ; )


Diese beiden Wochenenden verbrachten wir – also Elias, Stubi und ich – mit Marlene, sie ist auch in Cocha mit Intersol und macht ein Praktikum, und ihrem Freund Felix… Nachdem sie nicht mehr wussten wohin, kamen sie nach Santa Cruz mit nach Potosi, um gemütlich mit uns die Weihnachtstage zu verbringen.
In den letzten Tagen vor Weihnachten haben wir nicht viel gemacht… wir haben ausgeschlafen, mal nachgefragt ob wir im Projekt gebraucht werden – meistens nicht – ,gefrühstückt – von Felix bekocht, ab und zu ein gewisses Gras geraucht und ab vier – wenn nicht schon früher – das erste Potosina(Bier) geöffnet… haha hat auch was…
Gleichzeitig hab ich uns auch einen recycelten Weihnachtsbaum aus Zeitung gefaltet, Weihnachtsmarmelade eingekocht, kleine Geschenke vorbereitet und sogar noch Vanillekipferl auf slowbacking mit halb funktionierendem Gasofen gebacken… sind eigentlich recht gut geworden : ) hihi


Am 23.12 gab es dann dir erste Weihnachtsfeier von Pasocap unserer Institution. Da diese eine kirchliche Einrichtung ist begann alles mit einer kleinen Messe, in der wir für das Jahr dankten und für Gutes im Neuen baten. Danach gab es “Chocolate con Buñuelos” – also Kakao mit einer Art Bauernkrapfen. Ein typisches Essen zu Weihnachten. (Das wurde auch schon den ganzen Advent am voll beleuchteten Hauptplatz verkauft).
Dann ging’s ans Tanzen für den Niño Jesus ( das Jesuskind). Was soviel heißt, es wird in Paaren in einer Linie zum Jesuskind -oder auch mehreren Jesuskindern, also Puppen -, das auf einem Tisch schön hergerichtet wurde, hin getanzt… das erste Paar macht eine Figur vor und der Rest macht es nach… da sind auch mal ganz witzige dabei, wie die Scheibtruhe… natürlich hab ich auch voll mitgetanzt. Macht echt Spaß und ist recht anstrengend… es gibt auch einen Part an dem Solo getanzt wird – natürlich vor/für Jesus…dabei sind Purzelbäume typisch : ) genial!
Nachdem sich alle – wir waren um die 30Leute – beim Tanzen verausgabt haben, hab es Essen – Picana, das typische Weihnachtsessen in Postosí. Es ist eine Art Suppe mit Hühner- sowie Rinderfleisch, Kartoffeln, Karotten und einem Maiskolben (=Choclo). Voll lecker aber wie immer bei den bolivianischen Portionen – zu viel…

Den 24.12 verbrachten wir zunächst gemütlich zu fünft zuhause in unserer Wohnung. Ich hab meine Kekse fertig gebacken, den Baum mit Cocablättern geschmückt und auch ein bisschen aufgeräumt… danach haben wir Glühwein mit frischen Keksen genossen und einen kleinen Spaziergang gemacht. Außerdem durfte, neben den Weihnachtsnachrichten nach Österreich, ein Anruf zuhause bei meinen Lieben nicht fehlen!

Am Abend waren wir – Elias und Ich – noch bei Margarita und ihrer Familie. Es war ein sehr nettes und fröhliches Fest, obwohl die Familie in diesem Jahr ihr “Oberhaupt” – Vater von Margarita – durch COVID verloren haben. Wir haben verschiedene Spiele in zwei Teams gespielt, auch Picana gegessen und dann wie typisch für Weihnachten und Bolivien wieder für die – diesmal 14 – Jesuskinder getanzt… super nett… Gegen 2:30 ging’s für mich dann ins Bett.
Der 25. war dann ein recht ruhiger Tag – auch weil ich mich gesundheitich angeschlagen fühlte. Doch am Nachmittag/Abend habe ich nochmal mit der „Pataforma Potosina Medio Ambiental“ (=Umweltschutz Plattform Potosí) Weihnachten gefeiert… auch mit Chocolate con Buñuelos, Tanz, Tratsch und Wein mit Fanta (naja – hat mich jedenfalls an Punsch erinnert ; )
Die Plataforma habe ich Ende November bei der Demo gegen Gewalt an Frauen entdeckt und gleich versucht mich einzubringen. Sie fokussiert sich auf junge Menschen und ist auch in Kontakt mit Fridays for Future (=viernes por futuro) bzw. versucht die Freitagstreiks mit in ihr Programm zu nehmen. Aber grundlegend ist sie anderes aufgestellt als Fridays – mal sehen was 2022 so auf de Beine gestellt werden kann. Halte euch auf dem Laufendem ; )
Nach einem weitern ruhigen 26. beschloss ich am 27. – da wir nun ja bis 6.1.2022 offiziel frei hatten – mal für eine Zeit das verregnete Potosí zu verlassen und fuhr gemeinsam mit Marlene, Felix und schlussendlich auch Elias wieder in das schöne sonnige Cochabamba.
Dort verbrachten wir dann ganz relaxt – zunächst bei Marlene und Felix in der Wohnung und dann bei Inge Zuhause (ein Paradies) – die letzten Tage des Jahres 2021. Wir waren ein bisschen in der Stadt unterwegs, genossen einen Rooftop-Spa und ich hatte gute Gelegenheit die letzten Monate sowie das ganze aufregende Jahr zu reflektieren. Außerdem bekam Marlene Besuch von ihren Eltern und mit ihnen ein kleines Weihnachtspackerl für jeden von uns drei – sooo eine Freude!
Zu Silvester dann verbrachten wir den Abend wieder nett mit Marlene, ihren Eltern und Felix. Zunächst in einer Bar und dann noch bei ihnen zuhause. Wobei wir versuchten so viele bolivianische Neujahrstraditionen, die natürlich alle Glück bringen sollten, umzusetzen wie möglich… Ich trug weiße Unterwäsche – aber verkehrt – die ich dann um 00:00 umdrehen musste. Das sollte Frieden und Harmonie für das neue Jahr bringen (jede andere Farbe der Unterwäsche hat eine andere Bedeutung – wie zum Beispiel Rot für Liebe und Gelb für Geld…) gleichzeitig haben wir versucht zu jedem Glockenschlag um 12Uhr (da sollte erwähnt werden, dass wir keine Glockenschläge gehört haben… haha) eine Weintraube zu essen also insgesamt 12 – das bringt auch Glück und dann haben wir noch Geld gezählt… außerdem soll es auch viel Reiseglück fürs nächste Jahr bringen, wenn man/frau einen Koffer vor die Tür Stellt oder mit ihm spazieren geht…
Nachdem wir vom Dach aus noch ein paar Feuerwerke beobachtet haben, gings auch schon wieder nach Hause zu Inge – anscheinend gab es auch eine Ausgangssperre an diesem Abend, wovon wir aber nichts wussten – ups, waren aber eh nicht lag aus…
Zu Neujahr gab es wieder ein herrliches Frühstück – wie auch die Tage zuvor bei Inge – diesmal mit Sekt um auf 2022 an zustoßen.
Ein riesen Danke an 2021 und ein Hoch auf 2022!
Ich wünsche euch allen das Allerbeste, Gesundheit, Freude und Zufriedenheit!





Nach zwei weiteren gemütlichen Tagen in Cocha beim Sonne tanken, starteten wir noch eine Reise in Teile Boliviens die wir noch nicht kannten…
dazu mehr im nächsten Beitrag ; )
Alles Liebe und bis zum nächsten Mal
Clara

Eine Tour durch das Innere des „reichen Bergs“ an dessen Fuß die Stadt Potosí liegt, welche zum Großteil vom Bergbau lebt.
Nachdem ich ja schon 1 1/2 Monate hier in der Bergbau-Stadt Potosí lebe haben wir nun entschieden uns die Arbeit, die Umstände und auch ein bisschen die Hintergründe am sowie im Berg genauer anzusehen. Gemeinsam mit Teresa – die uns an diesem Wochenende besuchte – ging es also am Samstag dem 6. November auf den Cerro Rico( =“reicher Berg“) und in eine seiner über 500 Mineneingänge.
Bevor ich von meinen Erlebnissen und Wahrnehmungen dieser Tour berichte, möchte ich euch ein bisschen über Potosí, den Cerro Rico und deren Geschichte erzähle, damit ihr euch auch etwas rund um den Bericht vorstellen könnt…
Wobei ich die Informationen Großteils von unterschiedlichen Erzählungen verschiedenster Menschen – sowohl der Guides als auch anderen Bekannten und Freunden – habe ; )
Potosí war eigentlich mal die reichst Stadt der Welt, was sie den Mineralvorkommen des Cerro Ricos verdankte. Doch als die Spaniern mit ihren Kolonien in Bolivien ankamen, fanden sie recht bald die mineralreichen Berge des Altiplanos (=Hochlands). Darunter – mit einem sehr hohen Silbervorkommen – der „Cerro Rico“. Sie begannen die indigene Bevölkerung – die Quechua – zum Bergbau zu zwingen – wodurch die Minen des Cerro Ricos heute zu den Ältesten der Welt zählen. Sie mussten ganze Tage lang durcharbeiten und bekamen selbst nicht von dem Reichtum ab, das Spanien dadurch erhielt. Auf Grund des Bergbaus und um die Arbeiter Vorort unterzubringen, errichteten die Spanier am Fuße dieses „reichen Berges“ eine prunkvolle Stadt – Potosí.
Doch auf 4.000m Höhe gab es so gut wie keine Vegetation und somit auch wenig Landwirdschaft. Daher wurden weitere Städte in den fruchtbareren Tälern Bolivien gegründet, wie Sucre und Cochabamba, um die Mineros (=Minenarbeiter) mit frischen Lebensmittel zu versorgen. Außerdem mussten die ganzen abgebauten Mineralien in die Welt vertrieben werden. Um den Markt und die Transportrouten zu betreiben, gründete man Städte wie Oruro und La Paz und schlussendlich wurden die Mineralien von Lima in die Welt verschifft. Also geht fast die gesamte Infrastruktur von Bolivien auf Potosí und den dortigen Mineral-/Silberabbau zurück.
Wie schon erwähn, mussten die Inigen@s (=Indigenen) Schwerstarbeit in den Minen leisten – unter schlimmsten Bedingungen und fast ohne Pausen.
Das wollten sie sich zunächst nicht gefallen lassen, doch die Spanier spielten ein schlaues Spiel. Sie erfanden einen Dämon/Gott der Unterwelt/ der Minen und erbauten grässliche Statuen, die die Arbeiter*innen erschreckten sollten. Sie erzählten ihnen, dass er „Dios“(=Gott) sei und sie nur verschont und mit viel Funden beschenkt, wenn sie fleißig arbeiteten und sich nicht auflehnten. Doch da es in der indigenen Sprache Quechua, Dios nicht gab und die Menschen es nicht aussprechen konnten wurde der Gott der Unterwelt – der Teufel (=Diavolo) zum „Tio“. Dessen Abbild kann heute noch in jeder Mine gefunden werden und die Mineros fürchten ihn nach wie vor sowie opfern ihm vor dem Beginn der Arbeit Coca, puren Alkohol und Zigaretten – das mag der Tio. So können sie mit weniger Angst in der Mine arbeiten. Außerdem hat sich der Glaube in den Tio soweit entwickelt, dass keine Frauen IN der Mine arbeiten dürfen und Opfer vom Lama bis zu Menschen dargebracht werden.
Die Menschen glauben auch an eine Verbindung von Pachamama (=Mutter Erde) und Tio, denn Mutter Erde „herrscht“ ja über die Bodenschätze, weshalb auch Pachamama im selben Ritual um Unterschützung gebeten wird. Sie gegen hier davon aus, dass wenn Pachamama und Tio im Einklng sind, sie mehr Plata (=Silver) – so zu sagen das Kind von Tio und Pachamama. – finden… (irgendwo macht das ja Sinn… aber naja)
Heutzutage ist das Reichtum des Berges schon so gut wie verschwunden, doch die Einwohner*innen Potosí arbeiten immer noch hart daran, Mineralien (heute ist es eher mehr Zinn und noch irgendwas anderes) in dem „SchweizerKäse – Berg“ (so wird der heutige Cerro Rico auch genannt, da er schon so durchlöchert ist) ausfündig zu machen – Männer mit Dynamit und Presslufthammer in den Mienen, Frauen vor den Eingängen brauchbares aus den Steinhaufen suchend oder die Eingänge bewachend. Alle sind hoher Gefahr ausgesetzt und arbeiten ohne wirklicher Schutzausrüstung. Es gibt eigentlich keine Firma die die Minen betreibt, sondern nur Coperativas mineras (=Minenkooperativen/Gewerkschaften), die die abgebauten Mineralien dann an Firmen weiterverkauft… daher ist jeder Minero auch für seine eigene Ausrüstung und sein Werkzeug zuständig. Zu dieser Ausrüstug zählt meist ein Helm mit Lampe, feste Schuhe/Gummisriefel und wenn vielleict noch eine Schutzhose… Was aber niemals fehlen darf ist das Coca, die Zigaretten mit purem Tabak und alcohl puro – und dass nicht nur um es dem Tio zu opfern sondern um die 4h Arbeit am Stück zu überstehen.
Das Coca stammt von der Coca-Pflanze aus der auch Kokain gewonnen wird aber die Bolivianer*innen benützen die Cocablätter um Energie zu bekommen. Die kauen die Blätter und „stopfen“ sie sich dann in die Wangen um den Effekt des Cocas zu erreichen. Coca lindert Hunger, Durst und Schlaf – „perfekt“ um hart durchzuarbeiten. Doch nicht nur Mineros bei der Arbeit „picchan“ es ist auch weitverbreitet Coca unter freunden auf eiern oder Ritualen zu kauen.
Jedenfalls wird ein Minero mehr oder weniger für das bezahlt was er abbaut. Jedoch verdient er dafür sehr gut, im Verhältnis zu anderen Potosin@s.
Doch da sie in der Mine lange Zeit sehr staubiger und trockener Luft ausgesetzt sind, erkrankt ein großer Teil der Arbeitenden an einer Staublunge und stirbt recht früh – die Lebenserwartung von Mineros ist niedrig.
Noch dazu kommt, dass viele Mineros an einer Alkoholsucht leiden und ihr am Tag/untertage gut verdientes Geld sehr schnell wieder nach „Feierabend“ verschleißen. So kommen sie leider nie – oder recht schwer – aus dem Teufelskreis der Mienenarbeit. Hardcore ist auch, dass sie einfach puren Alkohol trinken. Das heißt bis zu 95porzentigem… sowas benutzen wir in Österreich nur zur Desinfektion.
Nun ja soviel mal zu ein paar geschichtlichen und kulturellen Fakten rund um Potosí und die Minen… es gibt noch einige mehr aber einerseits fallen sie mir gerade nicht wieder ein und andererseits ist es schon wieder recht lang geworden ; )
Doch was ich noch wichtig finde zu erwähnen ist diese Metapher:
Es könnte mit all dem Silber, das im Cerro Rico abgebaut wurde eine Brücke von Potosí bis nach Spanien gebaut werden
und auch
eine Brück von Spanien zurück nach Potosí aus all den Kochen der Menschen, die in den Minen des Cerro Ricos ums Leben gekommen sind.
ja….
nun aber zu unserer Tour:

Nach dem wir uns getroffen haben wurden wir von sogar zwei Guides mit unserer sexy-touri-Minenausrüstung ausgestattet. (wie ihr am Bild gut sehen könnt) – wie schon erwähnt, sind die Mineros normalerweise nicht einmal so ausgestattet. „Gut“ ausgerüstet gingst dann auf den Berg zur Mina Rosario – eine der größeren und auch eher gefährlichen Minen. Doch da wir Samstags unterwegs waren, haben wir keinen arbeitenden Mineros getroffen und daher war es auch nicht gefährlich.

Es ist Brauch oder wohl eher eine Art Anerkennung, wenn Touristen die Minen besuchen, dass sie den Mineros etwas mitbringen – ja was wohl: Coca, Zigaretten und Alkohol… ; ) Aber das nicht nur für die Mineros sondern auch für Tio und Pachamama, die wir vor dem Eintreten um ein gutes Ohmen – vor allem für uns als Frauen, die ja eigentlich nicht erwünscht sind – gebeten haben.
Nach dem Ritual ging es dann in das innere des Bergs. Zunächst durch Wasser und niedrige Gänge aber bald wurde es immer trockener und wärmer. Wir konnten gut die staubige Luft spüren obwohl nicht mal jemand gearbeitet hatte.
Nach einem kurzen – recht anstrengt für Rücken und Nacken, da die Decken sehr niedrig sind – Marsch entlang der Schienen für die Steinwagen, erreichten wir den ersten Tio. Dort machten wir die erste Pause und unsere zwei guias erzählten von der Geschichte und den Bräuchen rund um Tio – wie ihr ja schon oben eine „Zusammenfassung“ lesen konntet ; ). Anschließend bat jede*r von uns Tio um Stärke und Sicherheit in unserer Arbeit und für die Tour in der Mine, in dem wir ihm Coca sowie alcohl auf Hände, Beine und Penis streuten bzw. spritzten…

Nach einigem weiteren krabbeln und griechen kamen wir dann noch an einem zweiten etwas kleineren Tio vorbei. Da unserer guias auch selbst einmal in der Mine gearbeitet haben, konnten sie uns auch ein paar ihrer persönlichen Geschichten und Erfahrungen erzählen, was nochmals sehr interessant war…
Nach dem wir eine Runde gedreht hatten kamen wir nach ungefähr zwei Stunden wieder ans Tageslicht.
Nach dieser Zeit „unter“ der Erde, konnten wir gut nachvollziehen, dass die Mineros an eine Art Kraft/Gestallt wie Tio glauben, da sie sonst womöglich die Gefahr unter der sie arbeiten nicht ertragen könnten… und vermutlich führt auch diese mentale Last, der sie im Inneren des Bergs ausgeliefert sind, zu ihrem übermäßigen Alkoholkonsum zum Ausgleich…
Das haben wir uns jedenfalls gedacht…
Jedenfalls hat uns diese Tour, einen guten kleinen Einblick in die Welt der Mineros gegeben und wir wissen jetzt mehr über die Realität einiger Menschen mit denen wir auch arbeiten oder noch arbeiten werden. Das hilft um sich in die Menschen ein bisschen mehr hineinversetzen zu können…
Ja das wars dann mal wieder von mir… ; )
Ich hab aber eine neue Seite auf der Website erstellt mit dem Namen Kurzkommentare, dort schreibe ich kurze Berichte zu kleineren Ereignissen oder einfach mal eine kleine Anmerkung zu Dingen die mir hier auffallen und die euch vielleicht interessieren könnten…
Schaut gerne einfach mal HIER vorbei ; )
Bis bald, macht es gut!
– und passt bitte auf das Covid und euch in Österreich aus – die Zahlen sind ja nicht gerade prickeld…
!Cuidense!
=
Passt auf euch auf!

Die Zeit in Cochabamba ging zu Ende und wir machten und auf den Weg nach Potosí – die Stadt in der ich die nächsten 8 Monate verbringen und in einem Zentrum für Solarenergie (CESOL) mithelfen werde.
Die letzten Tage waren geprägt von
Abschied, einer langen Busreise und
dem Kennenlernen vieler neuer Menschen sowie Orten.
Ich war jetzt wirklich schon knappe 2 Monate in Cocha(bamba) und, obwohl es sich nicht so anfühlt als wäre so viel Zeit vergangen, ist im Rückblick echt viel passiert. Während ich mich erstmal an Bolivien gewöhnt und eingelebt habe, bin ich 4h pro Tag unter der Woche in die Sprachschule gegangen, hab Spanisch gelernt und mich um einiges verbessert, hab Zeit mit meinen Gastfamilie, den Sprachlehrer*innen und compañeros aus Österreich verbracht, bin viel T.RU.FI (Taxi con RUta FIja = Taxi mit fixer Rute) gefahren, hab dem Gym häufig Besuche abgestattet, Wochenends mehr von Bolivien erkundet, einen Salsa- und Bachata-Tanzkurs genommen und echt schon recht viel gelernt, meine vegetarische Ernährung etwas „erweitert“ um die typisch-bolivianischen Speisen (es gibt so gut wie keine vegetarische) zu kosten, bin natürlich auch ab und zu fortgegangen, hab „la Cancha“, der größte Markt Südamerikas erkundet und sehr genossen (es gibt echt alles und auf so geniale Art und Weise), war auf der deutsch-bolivianischen Hochzeit meiner Sprachlehrerin Melisa eingeladen, ab und zu (am besten Dienstags, weil da gab es 2 für 1) Eis bei Dumbo (= riesen Eisgeschäft) gegessen, ein paar Filme und „Schnulzen“ auf Spanisch gesehen sowie mit meiner familia gespielt, …
… und als wir dann unserem Reisetag dem 22.9 immer näher kamen, begann das Verabschieden.
Am letzten Wochenende luden wir recht spontan wieder all unsere „Familias de acojida“, Schüler*innen und Lehrer*innen zu unserem „Fiesta de despedida“ in die Sprachschule ein. Es gab leckere Tacos und noch andere Köstlichkeiten (alle auch vegetarisch), die die Familias mitgebracht haben. Natürlich durften die Ansprachen sowohl von Carmen und Jaquces als auch von jeder*m einzelnen von uns nicht fehlen. Wir wurden sehr herzlich verabschiedet und es wurde uns auch gesagt, dass wir jederzeit wieder willkommen sind und sie immer ein offenes Ohr für uns haben werden. Ich für meinen Teil, habe mich dann für die herzliche Aufnahme allerseits und die wichtige und gute Vorbereitung auf Potosí bedankt, nicht nur sprachtechnisch sondern auch bezüglich der Kultur und Einstellung der Menschen hier in Potosí. Danach wurde noch richtig viel getanzt, was wir dann in einem Club weiterführten ; )


Nach dem Fest verabschiedete ich mich auch von meinen weiteren cochabambinischen Bekanntschaften, wie Inge und meiner Tanzkursgruppe, die ich zwar leider noch nicht so lang kannte aber sehr offene und herzliche Menschen sind. Außerdem musste ich auch der Stadt „Auf WIEDER sehen“ sagn ; )



Am Mittwoch wurde es dann „ernst“, traurig und auch spannend zugleich. Nach der letzten Unterrichtseinheit – die mir nochmal den ultimativen Kick gegeben hat – gings ans Zusammenpacken und wir fuhren zum Busterminal, um uns dort einen Sitzplatz für die Nachtfahrt nach Potosí zu reservieren. Als alles fertig gepackt war, genoss ich noch die letzte Zeit mit meiner Familia. Wir quatschten, kochten Pizza für das Abschiedsessen, spielten nochmal Tischtennis und ich übergab mein Abschiedsgeschenk – einen sehr kunstvollen Serviettenständer (handgemacht von einer anderen sehr netten Gastmama). Wie’s natürlich sein muss, wurde zum Ende hin alles noch recht stressig. Ich hatte mich noch nicht von zwei meiner Sprachlehrer*innen verabschiedet, weshalb ich noch, kurz bevor ich das Taxi zum Terminal rufen musste, bei ihnen zu hause vorbei schaute… Als ich dann im Taxi saß – eh schon recht spät dran – fiel mir auf, dass ich noch den Haustürschlüssel in meiner Tasche hatte (kleiner FunFact am Rande: am Vormittag ist genau dasselbe dem Ehepaar passiert, das in der gleichen Familie wir ich wohnte, also hätt ich echt daran denken können…) Jedenfalls drehten wir nochmal um und – wisst ihr was – ich hab halt einfach auch ein wichtiges Tascherl vergessen… also es bestätigt sich mal wieder:
Alles kommt so wie es soll!
Und noch dazu waren wir mehr als rechtzeitig am Terminal. Alles gut gegangen, unsere übermäßig vieles Gepäck wurde im Bus verstaut und um 21Uhr gings für uns auf nach Potosí…
Chao Cocha!
2.500 m –>




Hola Potosí!
–> 4.000m
Unsere Fahrt durch die Nacht, in der wir um die 1.500 Höhenmeter zurücklegten, dauerte ca. 10h, womit wir um 7Uhr des nächsten Tages 23.9 in Potosí ankamen. Mit all unserem Gepäck, machten wir – wir sind momentan vier Personen, da Elias Freundin Aimée für ein Monat auf Besuch ist – uns auf die Suche nach einem Taxi, dass uns zu unserer Unterkunft brachte, von der wir im Vorhinein nichts wussten. Um so größere war die Freude als wir bei der Kirche San Sebastian und dem Projekt „Casa NAT’s“ (Haus für arbeitende Kinder und Jugendliche) ankamen und uns eine sehr nette Wohnung gezeigt und noch dazu gesagt wurde, dass wir hier bleiben können. huiuiiii : ) (so viel zur guten Kommunikation ; ))
Ziemlich bald darauf wurden wir auch schon von unserer „Chefin“ Margarita, eine sehr herzliche und fröhliche Frau, abgeholt, durch die Stadt geführt und bei all unseren Projekten vorgestellt. Begonnen haben wir bei PASOCAP, die Caritas Potosí, die aber unabhängig von der Caritas in Österreich ist und an sich unsere Arbeitgeber ist. Dort lernten wir neben Padre Marco, dem Kopf von PASOCAP, auch noch viele weitere Mitarbeiter*innen kennen. PASOCAP führt nämlich um die 11 Projekte, zu welchen auch die zwei zählen in denen wir arbeiten werden: Yachay Mosoj (Einrichtung für Kinder und Jugendliche der Bergbauarbeiter*innen) und in meinem Fall CESOL (Complejo de Energía solar = Zentrum für Solarenergie)
Diese beiden Projekte besuchten wir dann im Anschluss. In CESOL lernte ich meine künftige Arbeitskollegin Ángela kennen und in Yachay Mosoj aßen wir mit vielen Kindern und Margarita zu Mittag. – es war sogar vegetarisch ; )
Da am darauffolgenden Tag – dem 24.9 (Weltweiter Klimastreik ; ) – ein großes Event von ganz PASOCAP stattfand – eine Art Infomesse zum Thema Umwelt und Klimafreundlichkeit (ich denk das ist kein Zufall) – , hatten alle noch viel zu tun und wir versuchten unserer Bestes um direkt ein bisschen mitzuhelfen.
Da ich aber nicht wirklich viel im Bus schlafen konnte, war ich recht fertig und wir machten uns wieder auf den Rückweg in unser neues Heim.
Unsere Wohnung liegt in einem Innenhof gemeinsam mit dem „Casa NAT’s“ und besteht aus einer großen Küche (natürlich Herd mit Gas – ist hier am billigsten), Ess-/Wohnzimmer, Bad mit warm Wasser : ) und zwei Zimmer zu je zwei Betten, wobei eines davon ein Durchgangszimmer ist. Das wird vermutlich für die nächste Zeit unsere Dreier-WG – Jonas, Elias und ich. Mal sehen wir wir miteinander auskommen ; ) Bis jetzt hat es recht gut funktioniert.


Nun sind wir fast eine Woche hier und haben schon einiges von Potosí entdecken können.
Die erste große Aufgabe die wir hier haben ist uns unser Visum zu „verdienen“. Verdienen weil es wirklich viel Papierkram und Herumgedangel in der Stadt von einer Behörde zur nächsten ist… aber wir haben schon recht viel erledigen können, jetzt fehlen noch die letzten Schritte. Drückt uns die Daumen, dass nicht nochmal Hürden auftauchen; )
Außerdem haben wir am Wochenende schon einen Ausflug in eine Art Schwimmbad mit warmen Quellen gemacht und ein bisschen das Nachtleben Potosí erkundet.
Noch dazu haben wir es auch sehr genossen uns am mercado (diese Art von Markt gibt es einfach nicht in Österreich. Hier ist alles viel persönlicher und meistens verhandelbar) mit Lebensmittel und ein paar Haushaltsgegenständen einzudecken sowie uns dann leckere vegetarische Gerichte zu kochen.
Eigentlich sind wir ja hier um die Projekte zu unterstützen, aber wegen dem Visaantrag sind wir noch nicht so viel dazu gekommen. Jedenfalls bestehen die Aufgabenbereiche von CESOL, das Projekt in dem ich für die nächsten 8 Monate gemeinsam mit Jonas arbeiten werde, momentan aus Workshops zum Thema Solarenergie, der Verbreitung, dem Verkauf sowie der Installation von Solarpanelen/-systeme in der Stadt sowie am Land und dem Trocknen von Früchten mit Sonnenenergie. Bis jetzt konnten wir bei unserem Infostand am Eventtag, beim Aufbau einer weitere größere Trocknungsanlage und bei Allem rund um die Trocknung der Früchte mithelfen. In der nächsten Zeit werden wir vermutlich das System der Früchtetrocknung etwas optimieren, mit Esaul, dem technischen Leiter von CESOL und somit zweiter Arbeitskollege, mit auf Land zu den Kommunen fahren und auch Informationen bzw. Workshops zur Thematik erstellen. Ich bin schon sehr gespannt, was auf mich zu kommt und wie ich mich gut einbringen kann… : )


Im Großen und Ganzen bin ich sehr gut hier in Potosí angekommen, wurde herzlichst und mit großer Hilfsbereitschaft aufgenommen. Ich fühle mich sehr wohl hier. Potosí ist echt schön mit all den Kirchen und Plätzen, hat einen netten Flair und ist angenehm klein, so dass fast alles zu Fuß erreicht werden kann. Der einzige Hacken dabei ist, dass es in eine Richtung immer bergauf geht und das ist auf einer Seehöhe von 4.000 m fürs Erste noch eine Challenge. Aber nach der ersten Wochen hier und auch vor allem nach der Akklamation in Cocha geht das schon recht gut.
Also, der neue Abschnitt kann beginnen. Ich hab richtig Motivation und denke auch, dass Einiges umsetzbar ist.
Vamos a ver…
mal sehen was kommt…
Alles Liebe ihr wunderbaren Menschen
Eure Clara
PS: Es ist voll schade, dass ich leider an keinem weltweiten Klimastreik aktiv und direkt dabei sein konnte. Aber um so mehr bin ich meinen lieben Fridays dankbar, dass ich als Teddy for Future überall einen Platz hatte. Das war ein schönen Gefühl, dass das kleine Heimwehmonster in die Schlucht schlagen konnte. DANKE!

PPS: Eigentlich hätt ich noch gern ein bisschen mehr von meinen Wochenendauflügen von Cocha aus erzählt, aber ich bin bis jetzt noch nicht dazu gekommen. Vielleicht folgen die Beiträge noch mit Verspätung. Wenn nicht gibt es immer ein paar Bilder unter der Kategorie Fotos...